FAQ: Bin ich auch asexuell?

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Dieser Artikel versteht sich als Unterartikel zu FAQ: Fragen zur Asexualität

Inhaltsverzeichnis

Grundsätzliches

Bin ich asexuell?

Ich habe vieles von dem gelesen, was ihr über Asexualität schreibt. Mit vielem kann ich mich identifizieren. Aber wie kann ich genau wissen, daß ich wirklich asexuell bin? Gibt es vielleicht einen Test oder eine Untersuchung beim Arzt?
Niemand kann Dir auf die Frage ob du asexuell bist eine Antwort geben. Es gibt keine Untersuchung beim Arzt noch einen Test darauf. Nur Du selbst kannst entscheiden, welche Beschreibung am besten zu Deinen Erfahrungen passt und mit welcher Du Dich wohl fühlst. Natürlich musst Du Dich nicht als asexuell bezeichnen, nur weil unsere Definition gerade auf Dich zutrifft. Es ist alleine Deine Entscheidung.

Vielleicht habe ich meine Sexualität verdrängt oder ich benutze Asexualität nur dazu, um mich vor der realen Welt zu verstecken

Nur Du kannst wissen, ob Du asexuell bist oder nicht. Hast du den Wunsch danach mit anderen sexuell zu verkehren? Gibt es Menschen, die dich "anmachen"?

Es gibt Menschen, die sexuellen Kontakten bewußt aus dem Weg gehen, weil sie Dinge wie z.B. Intimität und Nähe vermeiden möchten. Diese Menschen sind nach unserem Verständnis natürlich nicht asexuell - aber dennoch genau wie alle anderen Menschen die sich mit uns austauschen wollen in der asexuellen Gemeinschaft willkommen. Sie werden jedoch im Allgemeinen schnell herausfinden, daß ihr emotionales Problem sich durch eine "Flucht in die Asexualität" nicht beheben läßt. Wir Asexuelle beschäftigen uns mit all den komplexen Herausforderungen in Beziehungen genauso, wie es auch sexuelle Menschen tun. Es ist also in jedem Fall besser, sich seinen Problemen - eventuell mit Hilfe eines Therapeuten - zu stellen als ihnen aus dem Weg zu gehen. Asexualität ist keine Fluchtmöglichkeit, sondern eine mögliche Ausdrucks-Form der Sexualität.

Vielleicht habe ich ja einfach noch nicht den richtigen Menschen gefunden

Möglicherweise kann ein Asexueller tatsächlich einen Menschen finden, zu dem er sich sexuell hingezogen fühlt. Möglicherweise kann auch eine Lesbe den "richtigen Mann" finden, der ihre sexuellen Wünsche befriedigen kann.

Wie auch immer: Wenn du eines Tages den/die Richtige/n findest finden wir das ganz toll :)

Bis dahin denken wir aber, daß es nichts zu verlieren gibt, wenn man offen und ehrlich zugibt zu anderen Menschen nur geringe oder gar keine sexuelle Anziehung zu empfinden. Der Austausch mit anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie man selbst kann niemals schaden. Im Gegenteil, er wird von fast allen als sehr befreiend empfunden. Für diesen Austausch ist es auch gar nicht notwendig, dich als asexuell zu identifizieren. Als unentschlossener oder auch als sexueller Mensch bist du genauso willkommen. Aber auch wenn du dich als asexuell identifizierst gibt es keinen Grund sich zu verstecken: sich jetzt asexuell zu empfinden beinhaltet schließlich keine Festlegung auf die Zukunft oder ist gar soetwas wie ein Versprechen abstinent zu leben. Niemand hindert dich daran Beziehungen zu haben und sexuell zu werden. Also, finde ruhig heraus wie du fühlst.

Was, wenn es nur eine Phase ist?

Tja, was dann? Das ändert doch nichts daran, dass Du gerade jetzt asexuell bist.

Die Hoffnung, letztendlich zu einem sexuellen Mensch zu "erblühen" kann dazu verführen, Deine Asexualität lieber zu akzeptieren. Ich sage nicht, dass das schliesslich nicht passiert, aber bedenke: Willst Du Dein Leben damit verbringen, Dich selbst als unentwickelte Person wahrzunehmen und sehnsüchtig auf den Tag zu hoffen, an dem Du endlich vollkommen wirst? Könntest Du Dich vielleicht wohler fühlen, Dich so als vollständige, gleichwertige Person zu akzeptieren, wie Du im Moment bist? Vielleicht wirst Du eines Tages "erblühen", falls und sobald Du das tust, wirst Du nichts verloren haben, wenn Du Dich in der Zwischenzeit wohl fühlst.

Es ist keine Schande, sich jetzt so zu identifizieren und später anders. Deine Identität sollte Dich nicht einschränken, wenn Du Dich weiterentwickelt hast und Dich verändert hast, dann beschreibe Dich unbedingt neu. Wenn Du Angst hast, in Zukunft anders zu sein, ändert das nichts daran, welche Bezeichnung für Dich heute sinnvoll ist. Veränderung ist nichts Schlimmes.

Schubladen und Kategorien definieren Dich nicht, sie beschreiben Dich. Sie sind Abkürzungen, um die Komplexität Deiner Identität anderen zu auszudrücken und ein Sprungbrett, von dem ausgehend Du Dich selbst erkunden und verstehen kannst. Wenn eine Bezeichnung Dir nicht mehr ausreicht, musst Du sie nicht verwenden. Wenn eine Gruppe Dir sagt, dass es nur einen einzigen wahren Weg für Dich gibt, dann musst Du ihnen nicht zuhören!

Es gibt viele Gründe, eine asexuelle Identität zu begrüssen oder etwas zur asexuellen Gemeinschaft beizusteuern, aber wenn Du herausfindest, dass es für Dich nicht das Richtige ist oder es Dich einschränkt, hab keine Angst anzusprechen, wie Du Dich fühlst und befürchte nicht, dass Du nicht mehr gehen kannst.

Du musst Dich nicht als asexuell identifizieren, um die Erfahrungen Asexueller für Dich als sinnvoll zu empfinden. Wenn Du Dich mit geringer oder gar keiner sexuellen Anziehung zu anderen beschäftigst, Dich aber nicht als asexuell definierst, dann sei trotzdem herzlich willkommen, Deine Erfahrung unserer Gemeinschaft beizusteuern.

Abgrenzungen

Ich finde Menschen attraktiv und sie machen mich an, aber ich mag Sex nicht und würde es nie tun. Bin ich asexuell?

Wenn Dich andere anmachen, dann trifft die Definition auf Dich nicht zu. Asexualität ist Mangel an sexueller Anziehung zu anderen Menschen, nicht Mangel an Aktivität. Asexuelle werden nicht "scharf" in Hinblick auf andere, sie würden sich vollkommen damit zufrieden geben, wenn sie für den Rest ihres Leben niemals eine einzige sexuelle Erfahrung mit jemandem teilen würden.

Wenn Du ein sexueller Mensch bist, der sich gegen Sex entschieden hast, dann trifft darauf eher "Zölibat" oder "Abstinenz". Es gibt für sexuelle Menschen viele Gründe, ein "Zölibat" zu wählen. Es kann sich dabei um religiöse oder moralische Gründe handeln, sie könnten die Vorstellung von Sex nicht mögen, sie könnten der Meinung sein, dass Sex nur innerhalb einer langlebigen Beziehung praktiziert werden sollte. Der Unterschied zwischen Asexuellen und Zölibatären oder abstinenten Menschen besteht darin, dass Asexuelle sich nicht ausgesucht haben asexuell zu sein, sie sind es einfach. Sie könnten sich zu Sex entscheiden und dennoch asexuell bleiben da es sich bei Asexualität um Anziehung handelt und nicht um Handlungen.

Du könntest viele Gemeinsamkeiten mit den Asexuellen finden und Du könntest auch aus eine Teilnahme an der asexuellen Gemeinschaft Nutzen ziehen, aber eine Gruppe, die speziell auf zölibatäre Leute ausgerichtet ist, könnte für Dich sinnvoller sein. Suche die Gemeinschaft und finde heraus, ob es Dir hilft.

Ich war früher sexuell, heisst das, dass ich jetzt nicht asexuell sein kann?

Einige Leute, die sich als asexuell identifizieren, sagen von sich, dass sie früher (während der Pubertät/ bei der ersten Liebe/ ...) an Sex interessiert waren und sexuelle Anziehung empfunden haben, aber das nicht länger für sie gilt. Herauszufinden, ob Du asexuell bist, ist ein individueller Prozess und die Definition ist offen.

Wenn Du jetzt (in dieser Phase deines Lebens) wenig oder überhaupt keine sexuelle Anziehung zu anderen empfindest, dann bist Du ebenso sehr oder wenig asexuell wie jeder andere in der Gemeinschaft.

Anziehung & Erregung

Ich fühle mich erst wirklich von jemandem angezogen, nachdem ich ihn besser kennengelernt habe. Was bedeutet das?

Die meisten Sexuellen finden schon beim Ansehen einen anderen als sexuell anziehend. Das ist Anziehungskraft, die von Erscheinung und Körperbau ausgeht. Andere, auch einige Sexuelle, werden primär von der Persönlichkeit eines Menschen angezogen. Sie können nicht feststellen, ob die andere Person für sie anziehend ist, solange sie nicht herausfinden konnten, wie deren Persönlichkeit ist. Es ist für Asexuelle üblich, Verlangen nicht mit Körper zu verbinden, sondern stattdessen ein Bedürfnis nach Nähe zu empfinden, nachdem sie den anderen als Freund kennen gelernt haben (obwohl die "Liebe auf erstem Gespräch" vollkommen möglich ist). Wenn das nicht Deiner Erfahrung entspricht, mach Dir keine Sorgen! Es gibt so viele Arten, Asexualität zu erfahren wie es Asexuelle gibt. Der wichtige Unterschied zwischen Sexuellen und Asexuellen besteht darin, dass die Anziehungen Sexueller das Verlangen nach Sex mit einschließen, während das Verlangen Asexueller in Richtung anderer Arten von Intimität geht. Natürlich können Sexuelle asexuelle Beziehung und Anziehungen ausbilden und Asexuelle können feststellen, dass sie asexuell sind oder nach sexuellen Erfahrungen bzw. sogar innerhalb einer sexuellen Beziehung asexuell werden.

Mich ziehen manche Menschen an, ich habe aber nicht das Verlangen nach Sex mit ihnen. Wohin passe ich?

Viele Asexuelle können andere als ästhetisch anziehend empfinden, aber sehen darin keinen Unterschied zum Betrachten eines schönen Gemäldes oder atemberaubenden Sonnenuntergangs. Andere finden andere Leute sexuell anziehend. Diese Asexuellen haben geringe sexuelle Intensität. Während sie sich dieser Anziehungskraft bewusst sind, haben sie keinen Wunsch, sie anders als durch Betrachten auszuleben. Die wichtige Unterscheidung zwischen Asexuellen und Sexuellen besteht darin, dass Asexuelle nicht den Wunsch haben, Sex mit anderen zu haben, die sie als körperlich anziehend empfinden (oder können vielleicht sogar niemanden körperlich anziehend finden).

Keine sexuelle Anziehung

Ich finde niemanden sexuell anziehend und hatte noch nie den Wunsch nach Sex. Heisst das, dass ich asexuell bin? Laut Definition, ja. Aber es liegt ganz an Dir zu entscheiden, ob diese Beschreibung für Dich sinnvoll ist und was, wenn überhaupt etwas, asexuell sein für Dich bedeutet.

Ich fühle mich von meinem Partner nicht sexuell angezogen. Heisst das, ich bin asexuell?

Nicht unbedingt. Sexuelle fühlen sich nicht von jedem angezogen. Frage Dich, ob Du Dich jemals von jemandem sexuell angezogen gefühlt hast (starke Gefühle von unterhalb der Gürtellinie), irgendwann in Deinem Leben. Wenn es so ist, könnte es sein, dass etwas anderes vorliegt.

Ich verliebe mich niemals. Ein paar enge Freunde zu haben ist mir genug. Ich bin wohl besonders asexuell, oder?

Menschen die keinen Wunsch nach sexueller Interaktion verspüren nennen wir asexuell. Allerdings meinen wir, dass es nicht soetwas wie eine "Hierarchie von Asexualität" gibt: Asexuelle mit geringem "Romantiktrieb" sind nicht "mehr asexuell" als beispielsweise Menschen die sich häufig verlieben.

Auch Asexuelle, die sich in sexuellen Beziehungen mit liebenden Partnern befinden haben genau die gleiche Stellung innerhalb der asexuellen Gemeinschaft, wie jene, die niemals irgendeine sexuelle Erfahrung hatten. Unsere Gemeinschaft hat nichts mit Elitedenken zu tun - jeder Einzelne ist ebenso viel Wert wie der andere.

Einige Dinge machen mich an, aber die haben nicht wirklich etwas mit anderen Menschen zu tun. Ich nehme an, dann bin ich nicht asexuell?

Wenn Du einen Fetisch hast oder Sexualität, die nicht mit anderen Menschen verbunden ist, könntest Du es für sinnvoll erachten, Dich als asexuell zu identifizieren.

Bei der Entscheidung, ob Du Dich als asexuell oder nicht identifizieren möchtest, könnte es hilfreich sein, zu beachten, ob Du den Wunsch hast, Deine Sexualität mit anderen Menschen auszudrücken. Egal, ob Deine Sexualität Anziehung zu anderen beinhaltet, könnte jemand anderes Dich dennoch dabei unterstützen, sie irgendwie auszudrücken. Wenn Du nicht das Bedürfnis hast, jemanden anderes mit einzubeziehen, dann wirst Du Dich wahrscheinlich innerhalb der asexuellen Gemeinschaft wohl fühlen.

Für einige Menschen muss der Ausdruck von Liebe Sex beinhalten. Für sie scheint es selbstverständlich, dass Du Dir wünschst, Deinen liebenden Partner in deine Sexualität mit einzubeziehen, wenn Du fähig bist, auf irgendeine Weise sexuell zu sein. Für viele Asexuelle besteht aber eben keine solche Verbindung zwischen Sex und Liebe. Deinen Partner aus Deinen sexuellen Gefühlen herauszuhalten, besonders, wenn diese nichts mit Sex oder anderen Menschen zu tun haben, bedeutet nicht, dass Du diese ablehnst oder Deine Liebe nicht vollkommen ausdrückst.

Persönlichkeit wird um Dinge gebildet, die man erst über sich herausfinden muss. Menschen, die sich als asexuell erkennen versuchen eher herauszufinden, wie man ein emotional vollständiges Leben führen kann, ohne dabei unbedingt eine sexuelle Beziehung mit anderen einzugehen und wie man in einer Welt leben kann, die hohen Wert auf Sexualität und sexuelle Beziehungen legt. Wenn das auch etwas ist, mit dem Du Dich auseinander zu setzen hast, dann lohnt sich ein Besuch in der asexuellen Gemeinschaft.

Asexuelle mit überhaupt keinen sexuellen Wünschen haben mit all denen eine Menge gemeinsam, die in ihre sexuelle Gefühle niemanden anders mit einbeziehen. Beide Gruppen können sich in einer Gesellschaft verunsichert fühlen, die von jedem erwartet, dass er an anderen in sexueller Hinsicht interessiert ist.

Irgendetwas dazwischen?

Ich habe Sex mit meinem Partner, aber niemals Verlangen nach anderen

Ich bin gern mit meinem Partner sexuell, aber ich hatte niemals das Verlangen, mit irgendjemandem anders Sex zu haben. Kann es sein, dass ich asexuell bin?

Die meisten Asexuellen sind zum Sex fähig, z.B. wird Masturbation von einigen Asexuellen als angenehm empfunden. Wenn Du Sex eher als Ausdruck romantischer oder emotionaler Anziehung (Liebe) als von einem Sextrieb veranlasst empfindest, dann muss das Deiner asexuellen Identität nicht widersprechen.

Wenn Du Dich niemals von anderen angezogen fühlst, wenn Du nie "scharf" auf Sex bist, dann passt Du in die Definition von Asexualität. Genauso, wie sexuelle Menschen in asexuellen Beziehungen leben können, können asexuelle Menschen an sexuellen Beziehungen teilnehmen. Wenn Du Dich damit wohl und glücklich fühlst, ist das eher Grund zum Feiern als ein Grund, deine "asexuelle Reinheit" anzuzweifeln.

Es gibt auch noch andere Gründe, warum Asexuelle sich für sexuelle Aktivität entscheiden. Die Beweggründe könnten Neugier oder Experimentierfreude sein (eine beträchtliche Anzahl Asexueller haben schon irgendwann einmal Sex ausprobiert). Manche Teile des Sex könnten lustvoll und angenehm empfunden werden, um sie auch ohne sexuelle Anziehung oder Trieb zu motivieren. In einer Liebesbeziehung können manche Asexuelle daran Freude haben, ihrem Partner sexuelles Vergnügen zu geben, ohne selbst sexuelle Befriedigung zu suchen.

Oft scheinen die sexuellen Beziehungen Asexueller weit von dem entfernt, was als "normal" bezeichnet wird. Es ist nicht unüblich für den asexuellen Partner, über seinen Mangel an sexueller Erregbarkeit und Vergnügen offen zu sein. Sexuelle Handlungen können vollkommen einseitig scheinen oder sexuelle Aktivität könnte stark auf Sinnlichkeit basieren wobei der Geschlechtsverkehr eine untergeordnete Rolle spielt. Diese Beziehungen gründen sich oft auf hoher Offenheit. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Asexueller sich in einer sexuellen Beziehung mit einem Partner, der nichts von seiner Asexualität weiß, vollkommen wohl fühlt.

Es sollte erwähnt werden, dass den meisten Asexuellen Sex vollkommen gleichgültig ist oder sie es vielleicht versucht haben und es als enttäuschend empfunden haben. Andere empfinden die Vorstellung, an sexuellen Aktivitäten teilzunehmen, vollkommen abstoßend.

Die Gemeinsamkeit aller Asexueller besteht darin, dass sie kein Verlangen nach Sex mit anderen haben. Sie werden nicht "scharf" und andere machen sie nicht an. Das hält sie nicht zwangsläufig davon ab, beim Sex Vergnügen zu empfinden, wenn sie sich dazu entschlossen haben.

Sexuelle Anziehung kenne ich, aber das passiert fast nie!

Ich fühlte mich bisher in meinem Leben nur von etwa drei Leuten angezogen, aber als ich das war, wollte ich auch Sex mit ihnen. Bin ich sexuell oder asexuell?

Das musst Du entscheiden. Ich glaube, dass die meisten zustimmen würden, dass sich ein 'nur zu sehr wenigen Leuten hingezogen fühlen' in die Rubrik 'geringe sexuelle Intensität' fallen würde. Wahrscheinlich spielt Sex eine relativ kleine Rolle in Deinem Leben. Du hast mit den meisten Asexuellen gemeinsam, dass Du bei fast jedem, den Du triffst, keine sexuelle Anziehung erfährst.

Mal sexuell, mal asexuell? Geht das?

Meine Sexualität kommt in Phasen. Manchmal bin ich sexuell, dann wieder absolut asexuell. Gibt es für mich einen Platz in der asexuellen Gemeinschaft

Du hast ganz sicher eine Menge gemeinsam mit anderen Asexuellen. In Zeiten, wo Du asexuell bist, kannst Du Dich als asexuell identifizieren, und wenn Du sexuell bist, gibt es immer noch asexuelle Bereiche in Dir wie z.B. die Fähigkeit, sexuellen Partnern Asexualität zu erklären. Daher kannst Du einen Platz in der asexuellen Gemeinschaft finden.

Aber ich will dennoch lieber sexuell sein!

Ich möchte wirklich Sex mit anderen haben, die ich liebe, aber beim Sex fühle ich überhaupt nichts und es ist für mich schrecklich. Was ist nur los mit mir?

Wenn du Sex als unangenehm und enttäuschend empfindest, könnte es vielleicht daran liegen, daß du eigentlich gar keinen Sex willst - sondern nur das, was du dir unter Sex vorstellst. Mach dir bewußt, was Sex für dich persönlich bedeutet. Menschen können sich viel vom Sex versprechen:

  • ein tolles Vergnügen
  • dem Partner damit zeigen, wie sehr man ihn/sie liebt
  • die Hoffnung den Partner enger an sich binden zu können und noch intimer mit ihm/ihr werden zu können

Wenn Du weisst, was genau Du im Sex suchst, kannst Du nach anderen Wegen suchen, um es zu erreichen. Das Wichtige daran ist, mit Deinem/r Partner/in zu sprechen, herauszufinden, was Du möchtest, ihm/ihr zu erzählen, was Du fühlst und die gegenseitigen Bedürfnisse zu besprechen.

Irgendwas muss bei mir ziemlich schief gelaufen sein.

Ich bin gestört. Ich glaube, ich kann meine Asexualität auf etwas zurückführen, was mir in meiner Kindheit zugestossen ist. Glaubst Du, ich bin deshalb so?

In einer Welt, wo Heterosexualität als Normalität dargestellt wird und die einzigen Alternativen auch sexueller Art sind, ist es leicht zu verstehen, dass Du Dich anormal und gestört fühlst. Asexualität ist nicht schlimm, es ist einfach anders.

Wenn Du Dich für gestört hälst, ist es natürlich, dass Du einen Grund für Deine Fehlfunktion suchst. Als noch Homosexualität als psychische Störung angesehen wurde, hat jeder, sogar Homosexuelle selbst, Theorien aufgestellt, was alles schief gegangen sein könnte, dass sie sich so entwickelt haben. Homosexuelle müssen eine schreckliche Kindheit und Jugend oder schlechte Erfahrungen mit jemandem vom anderen Geschlecht gehabt haben. Heutzutage wird Homosexualität einfach als anderer Weg für Menschen gesehen und es ist deshalb sehr selten, von einem Homosexuellen Gründe für seine sexuelle Orientierung zu hören.

Asexualität ist lediglich ein weiterer natürlicher Weg. Du bist nicht gestört. Ich bin sicher, dass die "ursächliche" Erfahrung sehr wichtig für Dich war, aber glaubst Du, dass jeder, der diese Erfahrung gehabt hätte, sich genauso entwickelt hätte?

Ich bin nicht gern asexuell. Ich wäre gern normal, wie jeder andere auch. Was ich kann ich machen?

Ich befürchte, es gibt keinen Nachweis für die Möglichkeit, seine Sexualität zu ändern. Du kannst vielleicht die Art und Weise ändern, wie Du auf Wünsche oder auch den Mangel an Wünschen reagierst, aber Du kannst an den Wünschen selbst nichts ändern. Es ist möglich, dass persönliche Sexualität sich in Orientierung und Intensität mit der Zeit verschiebt und verändert, aber das hängt nicht vom guten Willen ab und passiert nicht jedem.

Die beste Lösung ist es, zu lernen, Dich wohl zu fühlen mit dem, was Du bist. Du kannst Deine Sexualität nicht verändern und Du kannst sie Dir nicht aussuchen, aber Du kannst sie akzeptieren.

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