Gender
Aus Asex-Wiki
Inhaltsverzeichnis |
Gender und Gender Theory
Ein Text von Dirk Walter im Kampf mit den Normen von Maskulinität und Femininität.
Das Thema 'Gender' ist weit mehr, als nur eine Theorie. Es berührt alle Menschen. Vielleicht wurdest du als Junge auch schon einmal belächelt, weil du "wie ein Mädchen Fußball spielst". Oder dir als Mädchen wurde gesagt, daß du "inzwischen eine junge Frau und kein Wildfang mehr" bist. Wenn soetwas geschieht nehmen wir an, daß es an uns liegt und nicht am Gender-System. Wir schämen uns.
Die Vorstellung, wie ein Mensch aufgrund seines Geschlechtes auszusehen hat, wie er sich kleiden, verhalten und sogar fühlen muss, ist tief in unserer Gesellschaft verankert.
Das Überschreiten von Gender-Normen ist auch heute immer noch mit Scham verbunden. Die vorgegebene Geschlechtsrolle nicht zu beherrschen, ist, als hätte man nie gelernt, allein aufs Klo zu gehen. Wenn die Leute nicht merken, ob du ein Junge oder ein Mädchen bist, fühlen sie sich unwohl und/oder ärgern sich, und du fühlst dich erniedrigt und schämst dich
Im Rahmen der Gender Theorie gibt es einige Fachausdrücke, die man kennen sollte:
Gender Expression (geschlechtliche Äußerung)
Gender (sprich: ˈdʒɛndɚ) Expression bezieht sich auf das grundlegende (Selbst-)Verständnis eines Menschen männlich oder weiblich zu sein. Nach außen zeigt sich dieses Verständnis u.a. durch Kleidung, Körperpflege und Verhalten.
Gender Identity (Geschlechtsidentität)
Geschlechtsidentität bezieht sich auf das innere Gefühl männlich oder weiblich zu sein. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Psychiatrie (Gender Identity Disorder) und findet zumeist Verwendung, um Transsexuelle und Transgender zu bezeichnen, die eine Unstimmigkeit zwischen ihrem Körper und ihrem inneren Gefühl verspüren.
Frauenbewegung
Wenn wir den Begriff "Frauenbewegung" hören, denken wir an die soziale Bewegung im ausgehenden 20.Jahrhundert, in der Frauen darum kämpften die gleichen Rechte wie Männer zu bekommen.
Heute belächelt man die Vorstellung, dass es einmal eine Zeit gab, in der hitzige Debatten darüber geführt wurden, ob es Mädchen erlaubt sein soll in der Schule Hosen zu tragen. Kaum jemand würde heute eine hochbezahlte Managerin komisch anschauen - doch auch, wenn es für Frauen heute akzeptiert ist einen "maskulinen" Beruf auszuüben, "maskuline" Macht zu ergreifen und "maskuline" Sportarten zu betreiben, so ist es doch immer noch völlig unakzeptabel für Frauen, maskulin zu sein.
Riki Wilchins schreibt in "Gender Theory" (S.21) hierzu:
"Frauen in Anzug und Krawatte und Männer in Kleidern ver-
mitteln uns immer noch ein tiefes Gefühl des Unwohlseins.
Angriffe auf unser Recht auf Geschlechtsidentität und -äuße-
rung von Seiten Kulturkonservativer funktionieren genau
deshalb, weil sie diesen tiefsitzenden "Igitt-Faktor" heraus-
fordern. Homosexuelle dürfen schwul bzw. lesbisch "sein",
solange sie sich nicht durch öffentliches "Zur-Schau-Stellen"
- indem sie zum Beispiel in der Öffentlichkeit Händchen hal-
ten oder über ihr Sexleben reden - schwul bzw. lesbisch "ver-
halten". Nach dieser Logik sind wir bereit, Gleichheit zu ertei-
len, ohne uns damit auseinanderzusetzen."
Schwulen- und Lesbenbewegung
Riki Wilchins schreibt in "Gender Theory" (S.27f) hierzu:
"In sexuellen Praktiken - etwa wenn ein Mann seinen Part-
ner oral befriedigt oder eine Lesbe ihre Freundin penetriert -
setzt sich ein Partner unausweichlich mit den symbolischen
Bedeutungen auseinander, die gewöhnlich mit dem anderen
Geschlecht assoziiert werden. Ähnliche symbolische Durch-
lässigkeiten gibt es in Bezug auf homosexuelle Partnersuche.
Eine traditionelle Butch kann ihre Sexualität mittels einer
Vielzahl maskuliner Symbole signalisieren: kurze Haare, mus-
kulöse Arme, eine tiefe Stimme, ein Sakko, schwere Schuhe
oder Stiefel, eine aggressive Körperhaltung, Männerschmuck
oder viel direkter Augenkontakt.
Das bedeutet nicht, dass von einem lesbischen Paar eine Part-
nerin maskulin, butch oder der "Mann" sein muss. Es bedeu-
tet, dass innerhalb des wechselseitigen Gebens und Nehmens
von Romantik und Sex ein Partner die Zeichen und sprach-
lichen Symbole - Tätigkeiten, Haltungen, Manieren, Kleidung
- von Maskulinität besetzt. Aus diesem Grund sind Schwul-
bzw. Lesbischsein und Gender immer untrennbar miteinan-
der verflochten."
Es ist inzwischen okay, schwul zu sein - aber sei bloß keine Schwuchtel.
Du kannst eine Lesbe sein - aber bitte keine Kampflesbe.
Asexuell und Gender
Die erste Regel in Bezug auf Geschlechterrollen heisst auch heute im 21.Jahrhundert noch: Frauen haben Sex mit Männern und Männer haben Sex mit Frauen.
Die weitgehendste Überschreitung dieser Regel finden wir in der Homosexualität. Aber auch Asexuelle überschreiten durch ihren fehlenden Wunsch sexuell zu interagieren diese Regel, bieten aber zugleich sehr viel weniger Angriffsfläche als Schwule und Lesben.
- Anstelle agressiven Verhaltens wird sich über Asexuelle Lustiggemacht: Beliebte Schimpfwörter in diesem Zusammenhang sind Wichtigtuer, Profilneurotiker,Spinner
- Fast ebenso "beliebt" ist die Behauptung, dass es im Namen der Fortpflanzung eine "Pflicht" zum Sex mit gegengeschlechtlichen Partnern gibt. Die gleichen Männer, die erst ihre Frauen "die Pille" schlucken lassen um unbekümmert ihren Spaß zu haben, bezeichnen asexuelle Menschen dann unsinnigerweise als "Fortpflanzungsverweigerer" und Schlimmeres.

