Libido

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Unter Libido oder Geschlechtstrieb versteht man den Trieb, der auf die Befriedigung sexueller Bedürfnisse gerichtet ist (Libido = sexuelles Lustempfinden).

Analogie:
Verlangen nach sexueller Befriedigung → Libido
Verlangen nach Nahrung → Hunger


Inhaltsverzeichnis

Stärke der Libido

Wie stark die Libido ausgeprägt ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Die ehemalige Annahme, dass Männer über eine höhere Libido (ein größeres Verlangen nach Lustgewinn durch Sex) als Frauen verfügen hat sich nicht bestätigt.


Die Libido des Mannes

Die Libido des Mannes steht in direktem Zusammenhang zum männlichen Sexualhormon Testosteron. Männer die kein Testosteron bilden können (Eunuchen) haben keine Libido, empfinden diesen Zustand aber nicht weiter schlimm ("Mann will nicht und man kann nicht").

Die erektile Dysfunktion (im Volksmund: Impotenz genannt) ist kein Mangel an Libido ("Man(n) will, kann aber nicht"). Auch Asexualität liegt nicht unbedingt ein Mangel an Libido zugrunde ("Der Asexuelle kann, will aber nicht"). Viele Asexuelle haben eine Libido - verspüren aber nicht den Wunsch, sie mit einem anderen Menschen auszuleben. Auch ein Mensch mit überdurchschnittlicher Libido (der vielleicht regelmäßige Selbstbefriedigung ausübt) aber fehlendem Wunsch nach Sex bezeichnen wir immer noch als asexuell. Sexueller Trieb und Sexuelle Anziehung sind zwei völlig unterschiedliche Sachen.

Eine Gruppe von Menschen die einen deutlichen Mangel an Libido (bis zum völligen Fehlen der Libido) haben, ohne das ein direkter Zusammenhang zum Testosteronspiegel hergestellt werden könnte, sind die Nonlibidoisten.


Die Libibo der Frau

Bei Frauen wird ein Mangel an Libido auch als Frigidität bezeichnet. Da dieser Ausdruck aber stark abwertend ist sollte er heute nicht mehr benutzt werden. Die weibliche Libido ist grundsätzlich ebenso wie die männliche Libido hormonabhängig. Östrogene haben jedoch keinen direkten Einfluss auf die Libido.

Heute sind eine Reihe von Medikamenten bekannt, die die weibliche Libido negativ beeinflussen können. Hierzu gehören Antihypertonika, Lipidsenker, Sedativa, Tranquillanzien, Psychopharmaka, Neuroleptika, manche Antidepressiva sowie Gestagentherapie und hormonale Kontrazeption.

Besondere Beachtung in diesem Zusammenhang sollte man der Antibabypille schenken, da diese von einer Vielzahl von Frauen eingenommen wird. So können wir mittlerweile z.B. von weiblichen Mitgliedern der asexuellen Gemeinschaft berichten, die "die Pille" als eindeutige Ursache ihrer geringen bis gar nicht vorhandenen Libido ausmachen konnten. Besonders Frauen die in früheren Phasen ihres Lebens sexuell aktiv waren und sich heute aufgrund ihrer geringen Libido der asexuellen Gemeinschaft nah fühlen sei angeraten, eine zeitlang auf "die Pille" zu verzichten oder Alternativpräperate zu probieren.


Die Libido in der Psychoanalyse

Der Begriff "Libido" wurde erstmals in der Psychoanalyse von Sigmund Freud verwendet. Die psychoanalytische Theorie ist aber ausserordentlich komplex und oft auch für einen Fachmann schwer zu verstehen. Eine lustige Anekdote in diesem Zusammenhang ist die historisch belegte Gegebenheit, dass C.G. Jung nach Jahren der Zusammenarbeit mit Freud diesem einen Brief geschrieben hat, in dem er Freu anflehte, er möge ihm doch erklären, was er eigentlich mit "Libido" meine.

Freud geht grundsätzlich davon aus, dass "die Psyche" nicht etwa eine Wesenheit, sondern etwas Dynamisches ist. Das dynamische Geschehen der Psyche wird nun gemäss seiner Vorstellung in Gang gehalten durch die psychische Energie, die er als Libido bezeichnet. Die Libido steht grundsätzlich dem Ich zur Verfügung und fliesst ihm "von den Organen her" zu. Wir erkennen in dieser Vorstellung einmal mehr Freuds Bemühen, das Psychische auf das Organische zurückzuführen.

Die Libido kann grundsätzlich frei oder gebunden sein. Irgendwelche Sachverhalte werden für den Menschen dadurch bedeutsam, dass sich mit deren Vorstellung Libido verbindet. Freud spricht davon, dass die "Objekte" mit Libido "besetzt" werden.

Das erste "Objekt", das das kleine Kind mit Libido besetzt, ist die Mutterbrust. Im Verlaufe der Entwicklung besetzt das Kind immer mehr Objekte mit Libido. Man kann sagen, dass ein Objekt mit um so mehr Libido besetzt ist, je stärker es mit gefühlvollem Erleben verbunden ist.

Die Libido durchläuft in der Kindheit insgesamt drei charakteristische Entwicklungsphasen:

Störungen der Libidoentwicklung führen laut Freud zu psychischen Störungen.

Einige Theorien Freuds gelten heute als widerlegt:

  • Freuds These, dass die Libido allem Verhalten zugrunde liegt, was zu einem Lustgewinn führen kann, wird heute abgelehnt,
  • ebenso Freuds Auffassung, dass psychische Störungen allein aus einer fehlerhaften Libidoentwicklung herrühren.


Siehe auch

Persönliche Werkzeuge